Ich sehe dich

An manchen Tagen gehe ich durch unser kleines Dorf und sehe Rätsel. Wenn mir langweilig ist, denke ich über meine Rätsel nach. Es gibt viele davon. Eines Tages werden sie eine meiner Geschichten bevölkern. Hier stelle ich zwei von ihnen vor:

 

 

Ich sehe den merkwürdigen Mittvierziger, der seine Tage damit verbringt, auf einer Piaggia durchs Dorf zu brettern ,mehrmals pro Woche zu jeglicher Tageszeit. Manchmal treffe ich ihn beim im Supermarkt, wenn er sich Zigaretten und ein Sandwich kauft. Einmal bin ich ihm begegnet, als er an der Schranke eines Spazierweges lehnte und rauchte. Neben ihm sein weißer Scooter. Er grüßte mich höflich, im Vorbeigehen spürte ich die Hitze, die vom Motor seiner Maschine aufstieg und die Luft erwärmte. Zu gerne würde ich ihn fragen, weshalb er tagein, tagaus die Hügel unseres Dorfes hinauf und hinunter fährt.

 

Dann gibt es den Spaziergänger. Ihn treffe ich meist am Nachmittag. Sein Lieblingsweg führt ihn zu einem Feldweg, von dem aus man einen fantastischen Blick über den Wald und den Golfplatz hat. Er ist gekleidet, als wäre er gerade auf dem Weg ins Büro. Aber ich fürchte, auch ihn führen seine Gänge nirgendwo hin. Immer trägt er eine lederne Brieftasche unter dem Arm, meistens raucht er eine Pfeife. Er ist groß und hält sich gerade. So könnte ein Beamter, der eine Dienststelle im Landratsamt leitet, aussehen. Ich würde ihn auf Mitte fünfzig schätze, dabei hat er noch kein graues Jahr. Vielleicht irre ich mich auch und er ist deutlich jünger, aber seine Kleidung und sein steifer, schwingender Gang lassen ihn alt wirken.

 

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